Kastanienallee!

Freunde des Lebens, guten Tag. Ich freue mich an dieser Stelle ankündigen zu können, das ich eine neue Wohnung gefunden habe und deswegen mein angestaubtes Heim in der Seelower Straße gegen eine neue Wohnung in der Kastanienallee eintausche.
Kastanienalle – da war etwas!
Die Kastanienallee ist ja schon seit geraumer Zeit das Synonym verfehlter Stadtplanung und Gentrifizierung, es wird also höchste Zeit dem entgegen zu treten. Was bietet sich da besser an als eben eine tolle Wohnug zu beziehen und die Show des Jahres zu zu feiern. Es wird die größte Show Berlins werden, 365 Tage am Stück – immer dabei und immer mittendrin.
An dieser Stelle muss ich nicht großartig erklären wie toll die neue Wohnung ist und ich plane für Ende der kommenden Woche eine heftigste Einweihungsparty – zeigen wir den Berlinbesuchern was es bedeutet in Berlin zu sein.
In diesem Sinne,
Euer Marcel.

Frau K. von Gegenüber.

Frau K., guten Tag.
Heute bin ich aus einem tiefen Schlaf aufgewacht. Blau war es draußen und große, fette, weiße Wolken hingen im Himmel. Ich mag es dann mit dem Frühstück und mit meinen aus der Woche liegengebliebenen Korrespondenzen am Fenster zu sitzen, zu lesen, Musik zu hören und den Wolken zu folgen.
Ich schaue dann ab und an gerne die Straße hinunter und plötzlich sah ich Dich auf Deinem Balkon die Blumen gießen. Musik, weiße Wolken, Sonntag – es gingen mir auf einmal viele Fragen durch den Kopf – ich habe versucht die Stimmung mit der Musik einzufangen. Und ich habe sie Dir an die Tür geklebt. Verzeihe mir ob des Überfalls mit der Papierblume – es war ein Zufall Dich heute zu sehen. Oder vielleicht auch nicht, denn als ich gestern Nacht (oder heute Morgen) ins Bett gefallen bin, da habe ich mich noch gefragt, ob ich Dich wiedersehen würde. Ein paar Stunden Fantasia später habe ich Dich dann die Blumen gießen sehen. Und jetzt, 1:02 Uhr – alles schläft hier rings um uns herum – und ich sende Dir diesen Gruß, vielleicht ohne darüber nachzudenken aber ganz sicher das ich müde bin.
Geruhe wohl. Rest now, weary head – you will get well soon…

Liebe K.

Vielen lieben Dank, dass Du mir Deinen Namen verraten hast. Ich hoffe ich habe Dich nicht erschrocken, als ich so unvermittelt vor Dir stand und Dich angesprochen habe, doch diese eine Frage wollte ich Dir schon vor ein paar Wochen stellen, denn fast immer, wenn ich Dich an der Stelle gesehen habe, an der ich Dich ansprach, setzte ich mich auf eine der langen Holzbänke, trank eine Limonade mit Bier, steckte heimlich viel zu viele Streichholzschachteln ein und wagte ab und an einen Blick zu Dir. Wenn ich Dich dann sah, gingen mir immer ein paar Fragen durch den Kopf: wer Du wohl bist, wo Du wohnst, was Dich bewegt und ob ich Dich jemals irgendwo treffen würde, zufällig und unvorbereitet.
Heute habe ich Dich dann also zufällig getroffen. Und immer wenn eine Vorstellung bei mir persönlich real wird, dann habe ich für einen kleinen Augenblick das Gefühl, als würde mich ein Schwindelgefühl überkommen. Ich kann für Momente dann nicht einschätzen ob das jetzt die Vorstellung ist, der ich begegne, oder ob es tatsächlich das wirkliche Leben ist, was dort in den Situationen mit mir passiert. Ich glaube das war auch der Grund, warum ich heute wohl kein gescheites Wort zustande bekommen habe. Ich bin nicht immer so! Und das würde ich Dir unglaublich gerne zeigen.

Sei gegrüßt liebe K.

M.

Tipp des Tages: HANS WURST bio vegan café restaurant

Wer sich in Berlin einmal auf neuen Pfaden bewegen möchte, wer in unserer schönen Stadt einmal wirklich sehr gut essen gehen möchte, dem empfehle ich nachdrücklich das HANS WURST bio vegan café restaurant in der Duncker Straße 2a im Prenzlauer Berg.
Ich sitze nämlich gerade hier im Hans Wurst und habe ein wirklich sehr gutes Frühstück gegessen, ein hervorragender Sonntagsbrunch wartete auf mich und ich habe mich jetzt schon einige Male am Angebot bedient.


Hier gibt es, im Gegensatz zu vielen anderen Bars und Cafés, noch wirklich hausgemachte Lebensmittel, deren Zutaten aus rein biologischem Anbau sind. Sehr liebevoll hergestellt und bearbeitet: da gibt es verschiedene Pürees und Pasten, vegane Standarts und die ein oder andere Überraschung, wie den Räuchertofu-Aufstrich.
Eine freudige Wonne betrifft eine Frau, die ich heute Morgen im HANS WURST traf, als ich mit müden Augen in die Sonne lugte, es war eine ganz wundervoll aussehende Frau, die kurz nach mir den Laden betrat. Sie war so unglaublich hübsch, ich gläubte mein Herz hüpferlte vor Freude. Während ich also sehr gesunde, köstliche Lebensmittel verspeiste, speiste mein inneres Auge von der Schönheit der Natur – ach, ich fühlte und fühle mich großartig.
Ich kann Euch allen nur sagen, das ich persönlich das HANS WURST sehr mag, mir das Essen sehr gut schmeckt und unglaubliche schöne Frauen hier verkehren. Es ist eben keine McDonalds Welt, in die man hier eintritt, es ist das schönste HANS WURST von ganz Berlin. Sind wir schließlich nicht alle ein wenig Hansi?
Bleibt mir hier an dieser Stelle zum Abschluss nur noch auf eine Sache hinzuweisen, die mir am Herzen liegt.
Man ist ja immer auf der Suche, wenn man denn überhaupt auf der Suche ist, nach den geheimen, tollen, großartigen und unverbrauchten Gesichtern im Musikgeschäft. Auch in dieser Hinsicht bietet das HANS WURST ein paar absolute Leckerbissen. Ich erinner mich in dieser Hinsicht nur liebend gerne an das letzte Jahr, in dem Konstantin Gropper das HANS WURST besuchte. Gropper, Frontmann und Realisator seines Hauptprojektes GET WELL SOON, spielte ein kleines, intimes Konzert im Hans Wurst.

Der Literatur.nu TIPP des Tages:
HANS WURST
bio vegan café restaurant
Dunckerstr. 2a
10437 Berlin
Prenzlauer Berg

Lecker schmecker.

Lecker schmecker.

Neulich im Prenzlauer Berg: Ein Polizeiskandal!

Neulich im Prenzlauer Berg: ein Polizeiskandal!

Wer die Welt mit offenen Augen durchwandert, der wird Sachen sehen und Dinge erleben, die ihn verwundern. Und die Fähigkeit sich zu wundern, zu staunen, ist die erste Fähigkeit, die es braucht, um ein Philosoph zu werden. Sich wundern bedeutet auch, sich Fragen zu stellen, auf die es vielleicht nie eine Antwort geben wird. Sich wundern bedeutet aber auch, etwas zu erkennen und formulieren zu können. Nämlich dann, wenn wir uns die selbst aufgelegten Fragen beantworten können. Oft stellen wir uns aber auch Fragen, auf die es keine Antwort geben kann. Dann wundern wir uns über uns selber: liegt es daran, das wir die Fragen nicht beantworten können, weil wir wissen, dass wir nichts wissen, wie es schon Sokrates formulierte, oder liegt es daran das wir uns nicht vorstellen können, das bestimmte Sachverhalte und Umstände, von denen wir annehmen, das sie längst geklärt wären, einfach doch nicht so klar und deutlich sind, wie es die allgemeine Vorstellungen meint.

Ich frage mich schon eine längere Zeit, was ist hier los in Berlin? In den letzten Wochen und Monaten haben sich wieder verstärkt Übergriffe auf Homosexuelle in Berlin ereignet. Jeder kann es hören oder sehen, kaum einer sagt was: Berlin, wo ist Dein großes Maul?
Als vor einigen Wochen ein großes Berliner Stadtmagazin titelte, dass der Angriff auf Schwule und Lesben in der Stadt auch ein Angriff auf uns freie Bürger bedeutet, da war ich sehr beeindruckt von dieser Sichtweise. Ja, es stimmt, ein Angriff auf Schwule und Lesben ist ebenso ein Angriff auf meine Meinung über die freie Selbstverwirklichung. Ich hatte gehofft, dass viele Menschen durch den Artikel sensibilisiert werden und ihre Augen nicht verschließen, ihre Meinung nicht verbergen oder ihre Möglichkeiten der Gegenwehr nicht verstreichen lassen. Habe ich mich geirrt? Berlin, bist Du ein träges Schwein?

Als ich vor ein paar Tagen von einem Zwischenfall hörte, der sich an einer großen Straße in mitten des Prenzlauer Berges zugetragen hat, war ich sehr erstaunt. Dort wurde ein Mann von einem anderen Mann geschlagen, aber das passiert häufiger in Berlin. Was diese Tat für mich so unfassbar macht ist der Hintergrund, das diese rohe, körperliche Gewalt von einer Schimpfkanonade begleitet wurde, in der ganz klar, ganz deutlich und sehr direkt Bezug genommen wurde auf die sexuelle Orientierung des Geschlagenen: er wurde auf das Übelste beschimpft. Dieser Angriff war der feige Angriff auf einen schwulen Mann, weil er schwul ist.

Kein Kavaliersdelikt!

Täglich werden in Berlin Menschen diskriminiert, ausgegrenzt, verfolgt und misshandelt, weil sie schwul oder lesbisch sind. Dieser Angriff auf Menschen ist ein Angriff auf die Freiheit und Würde, die jeder Mensch hat. Dieser Angriff betrifft nur oberflächlich betrachtet die Menschen alleine, die er trifft. Dieser Angriff, jeder einzelne Angriff, betrifft in Wahrheit uns alle, immer. Uns freie, engagierte, kreative, verantwortungsvolle Bürger, die wir aus diesen Gründen in dieser Stadt leben. Einer Stadt, die wir prägen. Einer Stadt, der wir ein Gesicht geben mit dem, was wir hier machen und erleben, nehmen und geben. Einer Statdt, die von sicher selber sagt: Be.Berlin! Und ich wunder mich schon wieder – wie kann sich eine Stadt diese Übergriffe gefallen lassen, wie kann eine Stadt tatenlos zusehen, wenn unsere Freiheit angegriffen wird, wie kann eine weltoffene Stadt so stoisch und ignorant mit solchen Vorfällen umgehen: Berlin, was ist los mit Dir?

Der Skandal!

Natürlich wurde die Polizei angerufen und nahm mit dem Betroffenen eine Verfolgung auf. Wie leider so häufig konnte sich der feige Angreifer einem Zugriff entwinden. Er war schlicht gesagt zu dieser Tageszeit nicht mehr aufzufinden, denn es war dunkel. Aber der Angegriffene musste einen zweiten Tiefschlag über sich ergehen lassen, einen Tiefschlag, der in meinen Augen ein Riesenskandal darstellt. Ausgelöst durch die Polizei selber und was deutlich und klar macht, das Polizisten nicht immer ihrer öffentlichen und verantwortungsvollen Positionen gemäß handeln, und statt dessen oft genug unüberlegt, unverschämt, diskriminierend, beleidigend, dreist und anmaßend agieren.
Nachdem sich der Betroffene als schwul zu erkennen gegeben hat und die Polizisten gefragt worden sind, „ob sich in letzter Zeit vermehrt Angriffe auf Schwule ereignet haben“, antwortete ein Polizist lapidar, das er nicht sagen könne, ob es vermehrt zu Übergriffen gekommen sei, was er aber sagen könne wäre „und das ist das Schlimme daran, das diese Typen vermehrt Läden aufmachen, aber es ist ja ein freies Land!“
Eine unentschuldbare Entgleisung gegenüber der Menschenwürde und Verletzung von Persönlichkeitsrechten gegenüber Opfern von Anschlägen und Übergriffen mit diskriminierenden Hintergrundmotiven und eine beschämende geistige Leistung eines Polizeibeamten, der versucht bestimmte Hintergründe zu erkennen, die er nicht erkennen kann, weil er sehr offensichtlich geistig dazu einfach nicht in der Lage zu sein scheint..
In diesem Fall eine unentschuldbare Entgleisung gegenüber einem Opfer von Gewalt, das ein Opfer von Gewalt mit einem bestimmten Hintergrundmotiv geworden ist: dem offenen Schwulenhass von einigen Gewalttätern in Berlin und scheinbar auch dem offenen Schwulenhass der Berliner Polizeidirektion, Abschnitt Eberswalder Straße.

Berlin, wer hat Dir diesen dummen Polizeibeamten beschert?

Wenn man sich in Bars oder Lokalen aufhält, die vermehrt von Gästen besucht werden, die keinen heterosexuellen Hintergrund haben, und mit den Menschen dort über ihre Erfahrungen und Erlebnisse der Gewalt gegen sie selber und Gleichgesinnte spricht, dann bekommt man oft eine schockierende Wahrheit zu hören. Ja, vielen ist das Thema nicht fremd. Ja, viele sind selber schon Opfer von Diskriminierung und körperlicher Gewalt geworden, auch im öffentlichen Raum, in Berlin. Nur die Wenigsten wollen offen darüber reden oder ihre Erlebnisse erzählen. Es ist eine sehr sensible Angelegenheit den Opfern nicht unser Mitgefühl auszusprechen sondern unsere Anteilnahme. Es ist unsere Pflicht ihre Würde zu wahren und ihre Intimität zu schützen und trotzdem die Täter zu verfolgen und zu stellen.
Ein Angriff auf Menschen in unserer Mitte ist immer auch ein Angriff auf uns selber. Es ist unsere Pflicht und unsere Verantwortung uns zu erheben und dagegen vorzugehen. Es ist ein Angriff auf unsere Ideale und Vorstellungen. Es ist ein niederträchtiger Angriff auf die Freiheit des Menschen, auf unsere Freiheit: Berlin, wach endlich auf, Du hast genug geschlafen. Steh auf und wehre Dich!

Marcel Müller