Archiv der Kategorie ‘Deutsch‘

 
 

Abwechslungsreich

Das Buch „TV-LOUNGE – In- und Auslandsverbindungen” vereint fünf Erzählungen des gebürtigen Hamburgers Carsten Klook. An verschiedenen Handlungsplätzen lässt der Schriftsteller Personen auftreten, die alle eine tiefe, innere Unsicherheit vor dem Unvorhergesehenem eint. Er beschreibt Menschen, die mit anderen Menschen beschäftigt sind, aber noch viel mehr mit sich selber. Dabei kann man getrost die ersten drei Erzählungen überspringen und sich den letzten beiden annähern, denn nur diese sind Klook gelungen. Eine der beiden heißt „Elastische Füllung”. Hier wird man Beobachter eines Dramas, das sich vor finnischem Kulisse abspielt. Seidel, stolzer Sportwagenbesitzer und Agenturchef, in dieser Wertigkeit, fährt mit Caren in den Finnland Urlaub. Auf dieser Reise nimmt das Drama seinen Lauf, je mehr man über die beiden Personen erfährt, die am Anfang der Geschichte nur undeutlich umrissen werden. Nach und nach werden in dieser Geschichte biographische Informationen gestreut, die immer einer Lebensvorstellung gegenüber gestellt werden. Diese sind geprägt von Ängsten, Verzweiflung und Unruhe. Die Personen haben eine Idee von sich selber, die sich aber nicht mit der Wirklichkeit verträgt. Zum Schluss kommt es nicht nur in dieser Geschichte zu einer Trennung. Von einem Partner oder von einer eigenen Lebensvorstellung.

Die Sprachakrobatik des Schriftsteller wirkt teilweise etwas angestrengt. Aus dieser Anstrengung heraus entstehen Irritationen für den Leser, die manchmal im Verständnis für die Protagonisten nicht sehr hilfreich sind. Es ist schwer den emotionalen, gedanklichen Verstrickungen zu folgen. Dort wo der Autor aber eine Geschichte wachsen lässt, den Handlungsrahmen enger strickt, wie in den letzten beiden Erzählungen, öffnet sich dem Leser eine Welt die er deutlicher verstehen kann, geprägt durch die Phänomene der heutigen Zeit: der Suche nach dem Sinn und dem Mangel an Klarheit. Die Helden und Heldinnen des Alltags schrumpfen dann in sich zusammen und sind dadurch völlig überfordert mit dem Leben umzugehen.

Carsten Klook
TV-LOUNGE – In- und Auslandsverbindungen
Textem Verlag
TB: 185 Seiten
20.März 2007

Preis: 14 Euro

Ein wirklich schöner Liebesroman

Der in Berlin lebende Autor René Hamann, der bisher vor allem durch Lyrik auf sich aufmerksam machte, schreibt mit dem Buch „Schaum für immer” einen hoffnungsvollen Debütroman. Man darf schon jetzt gespannt darauf sein, was der Autor noch zu bieten hat. Sein Debüt ist ihm gelungen, was vor allem an der Vielzahl seiner wichtigen Protagonisten und dem eigenwilligen Erzählstil liegt. Der Leser begegnet zuerst Schumann, der mit Valerie anbändelt. Valeria ist die Freundin von Ralf, der ein Freund von Schumann ist. Ralf selber verbringt gerade Zeit mit seiner alten Jugendliebe Stina, die er beim Besuch der Mutter in Oldenburg wieder trifft. Und dann ist da auch noch Lukas, alter Freund von Schumann und Ralf. Der dritte Mann im Bunde lernt gerade seine Nachbarin Nadja kennen, deren alte Freundin Stina die Affäre mit Ralf hat. Und als ob das noch nicht genug wäre mit diesen Rahmenumständen, die ein hormonelles Feuerwerk auslösen, spielt Linda, die Schumann in einem Café kennenlernt, auch noch eine wichtige Rolle. Am Ende, bekommen alle irgendwie das ihnen zustehende, es ergibt ein großes Ganzes, in dem die einzelnen Fäden miteinander verworren sind. Nur Schumann geht leer aus, die Liebe gibt es für ihn leider nur im Märchen.

René Hamann schreibt seinen Roman wie eine bunte Collage. Er reiht Situationen und Gedanken der Figuren aneinander, ohne eine Gesetzmäßigkeit erkennen zu lassen. Wie die Liebe selber wirkt das Buch: unberechenbar. Mühelos hält der Debütant die Stricke des Romans in der Hand, in dem zeitlich verschoben, parallel und kontinuierlich ein Bild des Liebeswahn entsteht. Er resümiert an den richtigen Stellen, baut reflexive Gedanken der Hauptdarsteller ein und verliert das Ende der Geschichte zu keiner Zeit aus seinen Augen. Dieses Auge wirkt auf den Leser wie eine unsichtbare Kamera, die alle Ereignisse umkreist und das Geflecht der Beziehungen aus verschiedenen Perspektiven auslotet. René Hamann ist mit seinem Debüt ein sehr schöner Liebesroman gelungen, über die Liebe und über die Freundschaften, die dahinter stecken.

René Hamann
Schaum für Immer
Roman
Tisch 7 Verlag
18,90 €

Ingo Schulze: Handy – Dreizehn Geschichten in alter Manier

Ingo Schulze hat für sein Buch “HANDY – dreizehn geschichten in alter manier” den diesjährigen Buchpreis der Leipziger Buchmesse erhalten.

Wie Subjektiv ist Literaturkritik, ist eine Frage, die ich mir sehr häufig stelle wenn ich für Zeitungen meine Rezensionen verfasse. Es schließt sich die Überlegung an, ob es so etwas wie einen Lieblingsschriftsteller oder eher einen Kritikerliebling gibt. Die kritische Auseinandersetzung mit Literatur treibt ja bekanntlich ihre eigenen Stilblüten. Nicht selten bejubeln die einen Feuilletonnisten gerade diesen Autoren, der in der öffentlichen Debatte, die sein Buch nach sich zieht, von anderen Autoren wiederum zwiespältig beurteilt wird. Für die Auflage ist es dabei unerheblich, ob die Kritik nun eben besonders gut oder besonders gemein ist. Wichtig ist nur, Stadtgespräch zu sein. Für die Pressestäbe in den Verlagshäusern gibt es nur eine Sache, die schlimmer als schlechte Kritik ist: keine Kritik.

Das Thema Lieblingsschriftsteller soll dabei nicht aus den Augen verloren werden. Da gibt es das Beispiel eines Georges Simenon, mit einer Weltauflage von knapp 400 Millionen Büchern (denken wir uns eine Milliarde bedruckte Seiten Papier auf der Erde) zählt er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu den erfolgreichsten Autoren, die je eine Zeile zu Papier brachten. Von vielen Millionen Lesern wird er als Lieblingsschriftsteller angesehen. Ich gebe zu, ich mag ihn sehr gerne und schätze seine Kriminalromane, ja, Simenon ist einer meiner Lieblingsschriftsteller, und diese Sucht nötigte mir den Verzehr von vielleicht 40 Büchern, die seinen Namen tragen. Aber Simenon als Kritikerliebling? Nein. Das würde wahrlich zu Weit gehen.
Ein Lieblingsschriftsteller wird verstanden und verschlungen, benutzt wahrscheinlich zu viele Adjektive und der Leser wird Teil der Geschichten des Autoren, durch Imagination. Ich nenne es das Prinzip Simenon, das durch die Namen Gaarder, Coelho oder Hesse verlustfrei umbenannt werden kann.

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