Monatsarchiv für Juni 2009

 
 

Kastanienallee!

Freunde des Lebens, guten Tag. Ich freue mich an dieser Stelle ankündigen zu können, das ich eine neue Wohnung gefunden habe und deswegen mein angestaubtes Heim in der Seelower Straße gegen eine neue Wohnung in der Kastanienallee eintausche.
Kastanienalle – da war etwas!
Die Kastanienallee ist ja schon seit geraumer Zeit das Synonym verfehlter Stadtplanung und Gentrifizierung, es wird also höchste Zeit dem entgegen zu treten. Was bietet sich da besser an als eben eine tolle Wohnug zu beziehen und die Show des Jahres zu zu feiern. Es wird die größte Show Berlins werden, 365 Tage am Stück – immer dabei und immer mittendrin.
An dieser Stelle muss ich nicht großartig erklären wie toll die neue Wohnung ist und ich plane für Ende der kommenden Woche eine heftigste Einweihungsparty – zeigen wir den Berlinbesuchern was es bedeutet in Berlin zu sein.
In diesem Sinne,
Euer Marcel.

Frau K. von Gegenüber.

Frau K., guten Tag.
Heute bin ich aus einem tiefen Schlaf aufgewacht. Blau war es draußen und große, fette, weiße Wolken hingen im Himmel. Ich mag es dann mit dem Frühstück und mit meinen aus der Woche liegengebliebenen Korrespondenzen am Fenster zu sitzen, zu lesen, Musik zu hören und den Wolken zu folgen.
Ich schaue dann ab und an gerne die Straße hinunter und plötzlich sah ich Dich auf Deinem Balkon die Blumen gießen. Musik, weiße Wolken, Sonntag – es gingen mir auf einmal viele Fragen durch den Kopf – ich habe versucht die Stimmung mit der Musik einzufangen. Und ich habe sie Dir an die Tür geklebt. Verzeihe mir ob des Überfalls mit der Papierblume – es war ein Zufall Dich heute zu sehen. Oder vielleicht auch nicht, denn als ich gestern Nacht (oder heute Morgen) ins Bett gefallen bin, da habe ich mich noch gefragt, ob ich Dich wiedersehen würde. Ein paar Stunden Fantasia später habe ich Dich dann die Blumen gießen sehen. Und jetzt, 1:02 Uhr – alles schläft hier rings um uns herum – und ich sende Dir diesen Gruß, vielleicht ohne darüber nachzudenken aber ganz sicher das ich müde bin.
Geruhe wohl. Rest now, weary head – you will get well soon…

Liebe K.

Vielen lieben Dank, dass Du mir Deinen Namen verraten hast. Ich hoffe ich habe Dich nicht erschrocken, als ich so unvermittelt vor Dir stand und Dich angesprochen habe, doch diese eine Frage wollte ich Dir schon vor ein paar Wochen stellen, denn fast immer, wenn ich Dich an der Stelle gesehen habe, an der ich Dich ansprach, setzte ich mich auf eine der langen Holzbänke, trank eine Limonade mit Bier, steckte heimlich viel zu viele Streichholzschachteln ein und wagte ab und an einen Blick zu Dir. Wenn ich Dich dann sah, gingen mir immer ein paar Fragen durch den Kopf: wer Du wohl bist, wo Du wohnst, was Dich bewegt und ob ich Dich jemals irgendwo treffen würde, zufällig und unvorbereitet.
Heute habe ich Dich dann also zufällig getroffen. Und immer wenn eine Vorstellung bei mir persönlich real wird, dann habe ich für einen kleinen Augenblick das Gefühl, als würde mich ein Schwindelgefühl überkommen. Ich kann für Momente dann nicht einschätzen ob das jetzt die Vorstellung ist, der ich begegne, oder ob es tatsächlich das wirkliche Leben ist, was dort in den Situationen mit mir passiert. Ich glaube das war auch der Grund, warum ich heute wohl kein gescheites Wort zustande bekommen habe. Ich bin nicht immer so! Und das würde ich Dir unglaublich gerne zeigen.

Sei gegrüßt liebe K.

M.