Der rauchende Reporter trifft…..: S L U T, eine deutsche Band!
Ich habe ja erst vor einigen Jahren begonnen, mich intensiver mit Musik auseinander zu setzen und die ausgetretenen Pfade des Musikmainstream, die ich bis dahin kannte, verlassen. Eine völlig neue Welt, Musikwelt, tat sich für mich auf und mit großen Augen und wackelnden Ohren spazierte ich durch das für mich wahr gewordenen Paradies auf Erden. Ich spazierte durch die Indie Musik und lernte das Gehen dabei völlig neu.
Auf diesem Weg hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich nach Hause gefunden habe. Ich habe mich in England umgeschaut, in Frankreich, den Staaten, Schweden, Belgien und Norwegen und Kanada, bin Querverweisen gefolgt, Produzenten, Tonstudios und Musikern und ich habe jede Menge Konzerte gesehen, in Berlin. In manchen Wochen habe ich mehr Bands gesehen, als die Woche Tage hat und wie groß war meine Freude jedes Mal, wenn ich eine neue Verbindung zwischen der verschiedenen Musik ziehen konnte.
Independent Musik aus Deutschland. Was früher eine große Leere in meinem Kopf bedeutet hätte, bekam irgendwann Konturen. Nicht sofort am Anfang. Eher behutsam entstand in meinem Kopf das Bild von tollen Bands aus Deutschland. Die hört man ja auch nicht unbedingt jeden Tag im Radio und liest etwas über deren neuen Platten. Bis ich zumindest so weit sensibilisiert gewesen bin, das ich etwas von einer deutschen Band hörte und lesen konnte, von der ich gar nicht wusste, das sie eine deutsche Band sind. Ich spreche von SLUT, einer Band aus Ingolstadt, jener Stadt, die ich jetzt nicht mehr mit AUDI in Verbindung bringe, sondern mit großartiger deutscher Independent Musik.
SLUT haben im letzten Jahr eine fantastische Platte veröffentlicht. Eine Platte, die in Berlin Kreuzberg aufgenommen worden ist und für die SLUT die Produzenten von NOTWIST, der anderen deutschen Ikone aller Indie Bands, eingeladen haben, mit ihnen zusammen am Album „Still No. 1“ zu arbeiten. Ich habe vorher noch nie etwas von SLUT gehört, und dementsprechend bin ich neugierig und unvoreingenommen an die Platte herangegangen.
Die Platte hat mich sofort überzeugt. Melodischer Indie Pop gepaart mit kunstvoll gespielten Instrumenten, mal sind es Streicher, mal ist es ein Klavier und mal sind es klassische Rockinstrumente, die man auf der Platte hört. Ich bin kein Musiker, aber im direkten Vergleich zu anderen Bands höre ich in der Musik von SLUT eine größe Könnerschaft, eine Meisterschaft unterschiedlichste Instrumente zu bedienen und zu organisieren und sie orchestral zusammen zu führen. Ich mag an „Still No. 1“, dass ich die Platte häufig hören kann und mir immer neue Details auffallen. Ich mag die popoeske Romantik der Songs, diesen Wiedererkennungswert, die Melodien, die mir helfen an bestimmten Tagen die Stunden zu verbringen. Ich mag die Musik. Ich mag SLUT .
Vor ein paar Wochen hatte ich die Gelegenheit die Band zu treffen. Im Kreuzberger LIDO spielten sie ein Konzert, das schon Wochen vorher ausverkauft gewesen ist und die Rückkehr der Band zum Entstehungsort des Albums gewesen ist. In Kreuzberg, ein paar Meter neben dem LIDO, spielte die Band ja schließlich das Album ein. Über 500 Leute rockten das ehemalige Kino und es hat nur wenig gefehlt, bis es ein kollektiver Ausflug zur internationalen Raumstation geworden wäre: die Halle tobte, es war wie ein Heimspiel für die Band.
Für mich sind SLUT im Augenblick eine der wichtigsten deutschen Bands und darüber hinaus in meinen Augen auch einer der besten Gruppen, die dieses Land zu bieten hat. „Still No. 1“ ist für mich eine der Platten des Jahres und SLUT neben NOTWIST der wichtigste Vertreter deutscher Independent Musik.
